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Dichtungswerkstoffe im Vergleich: NBR, FKM, EPDM und PTFE richtig auswählen

Wellendichtringe und O-Ringe aus verschiedenen Dichtungswerkstoffen wie NBR, FKM und EPDM

Ob eine Dichtung über Jahre hält oder nach wenigen Wochen aufquillt, verhärtet oder reißt, entscheidet weniger die Bauform als der Werkstoff. NBR, FKM (Viton®), EPDM, PTFE und Silikon unterscheiden sich vor allem darin, welchen Temperaturen und welchen Medien sie dauerhaft standhalten. Dieser Ratgeber ordnet die gängigen Dichtungswerkstoffe ein und beantwortet die entscheidende Frage: Welcher Werkstoff passt zu welcher Anwendung? Wie die einzelnen Bauformen – Wellendichtring, V-Ring, O-Ring – aufgebaut sind, lesen Sie ergänzend im Bereich Dichtungstechnik.

Warum der Werkstoff über die Standzeit entscheidet

Eine Dichtung muss zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Sie soll bei der vorgesehenen Temperatur elastisch bleiben und darf vom abzudichtenden Medium chemisch nicht angegriffen werden. Passt der Werkstoff nicht zum Medium, quillt das Elastomer, versprödet oder verliert seine Rückstellkraft – die Dichtstelle wird undicht. Deshalb stehen bei der Auswahl drei Kriterien im Vordergrund: Betriebstemperatur (Dauer- und Spitzenwerte), Medium (Öl, Kraftstoff, Wasser, Dampf, Säure, Lauge) und die geforderte Standzeit. Alle Temperaturangaben in diesem Beitrag sind Richtwerte und hängen von Compound, Druck und Einsatzdauer ab.

Die Dichtungswerkstoffe im Überblick

Die folgende Tabelle stellt die typischen Temperaturbereiche und die grundsätzliche Medieneignung der fünf verbreitetsten Werkstoffe gegenüber. Sie ersetzt keine Beständigkeitsprüfung im Einzelfall, hilft aber bei der Vorauswahl.

Werkstoff Temperatur (ca.) Gut geeignet für Nicht geeignet für
NBR (Nitril) −40 … +100 °C Mineralöl, Fett, Hydrauliköl, Wasser Ozon, Witterung, Bremsflüssigkeit
FKM (Viton®) −20 … +200 °C Kraftstoffe, synth. Öle, Chemikalien, Hitze Heißwasser/Dampf, Bremsflüssigkeit, Ketone
EPDM −45 … +130 °C Wasser, Dampf, Bremsflüssigkeit, Ozon/UV Mineralöl, Fett, Kraftstoffe
PTFE −200 … +260 °C nahezu alle Medien, hohe Temperaturen Anwendungen mit hoher Elastizität nötig
Silikon (VMQ) −55 … +200 °C trockene Hitze/Kälte, Lebensmittelnähe dynamische Dichtstellen, Kraftstoffe, Dampf

NBR-Dichtung: der wirtschaftliche Standard

NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk, auch Nitril genannt) ist der am häufigsten eingesetzte Dichtungswerkstoff und die erste Wahl für Standard-Industrieanwendungen. Die NBR-Dichtung ist beständig gegen Mineralöle, Fette, Hydrauliköle und Wasser im Bereich von ca. −40 bis +100 °C – das deckt den Großteil aller Lager- und Getriebeabdichtungen ab. Ihre Grenzen liegen bei Ozon, Witterung und Sonneneinstrahlung sowie bei Bremsflüssigkeiten und polaren Lösemitteln. Wer eine Dichtung für Mineralöl, Fett oder Wasser bei moderater Temperatur sucht, fährt mit NBR am wirtschaftlichsten.

FKM / Viton®: Hitze, Kraftstoffe und Chemikalien

FKM (Fluorkautschuk) ist unter dem Markennamen Viton® der Chemours bekannt. Die FKM-Dichtung ist der Werkstoff der Wahl, wenn Temperaturen dauerhaft über 100 °C liegen (Richtwert bis ca. +200 °C) oder aggressive Medien im Spiel sind: Kraftstoffe, synthetische Öle, viele Säuren und Chemikalien. Ein FKM-O-Ring oder Viton®-O-Ring hält dort dicht, wo NBR bereits verhärtet. Zu beachten: Für Heißwasser und Dampf, Bremsflüssigkeit auf Glykolbasis sowie Ketone und Ester ist FKM nicht die beste Wahl – hier kommt eher EPDM zum Zug. FKM ist teurer als NBR, dieser Aufpreis rechnet sich aber überall dort, wo Temperatur oder Medium NBR überfordern.

EPDM-Dichtung: Wasser, Dampf und Witterung

EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) belegt eine Nische, die weder NBR noch FKM gut abdecken. Die EPDM-Dichtung ist hervorragend beständig gegen heißes Wasser und Dampf, gegen viele Bremsflüssigkeiten sowie gegen Ozon, UV-Strahlung und Witterung – ideal für Außenanwendungen, Sanitär- und Heizungstechnik sowie Bremssysteme. Ihr Temperaturbereich reicht von ca. −45 bis +130 °C. Der entscheidende Haken: EPDM verträgt keine Mineralöle, Fette und Kraftstoffe. Bei Öl-Kontakt quillt der Werkstoff stark auf. EPDM und NBR schließen sich hinsichtlich der Medien also fast gegenseitig aus – wer Öl abdichtet, greift zu NBR; wer Wasser, Dampf oder Bremsflüssigkeit abdichtet, zu EPDM.

PTFE und Silikon: die Spezialisten

PTFE-Dichtungen (Polytetrafluorethylen, oft als Teflon bezeichnet) sind chemisch nahezu universell beständig und decken einen extremen Temperaturbereich von ca. −200 bis +260 °C ab. PTFE ist streng genommen kein Elastomer, sondern ein thermoplastischer Kunststoff – es ist deutlich weniger elastisch und rückstellfähig als Gummi. Deshalb kommt PTFE bevorzugt als Dichtlippe bei Hochgeschwindigkeits-Wellen, als Werkstoff für aggressive Medien oder bei sehr hohen Temperaturen zum Einsatz, oft in Kombination mit Füllstoffen.

Silikon (VMQ) glänzt bei trockener Hitze und großer Kälte (ca. −55 bis +200 °C) und ist physiologisch unbedenklich, was es für den lebensmittel- und medizinnahen Einsatz interessant macht. Für dynamische Dichtstellen, Kraftstoffe und Dampf ist Silikon wegen seiner geringen mechanischen Festigkeit dagegen weniger geeignet.

Wo selbst FKM an chemische oder thermische Grenzen stößt, kommen Perfluorelastomere (FFKM) ins Spiel – etwa die Marke ExLAST® der Steinbach GmbH. Details dazu im Beitrag zu ExLAST® FFKM-Hochleistungsdichtungen.

So wählen Sie den passenden Werkstoff

Für die Vorauswahl genügen in der Praxis drei Schritte: Zuerst das Medium festlegen – Öl und Fett führen zu NBR oder FKM, Wasser und Dampf zu EPDM, aggressive Chemikalien zu FKM oder FFKM. Anschließend die Dauertemperatur prüfen: Bis ca. 100 °C reicht meist NBR, darüber wird FKM nötig. Zuletzt Besonderheiten wie Witterung, Lebensmittelnähe oder sehr hohe Drehzahlen berücksichtigen. Bleiben Zweifel, lohnt der Abgleich mit einer Beständigkeitstabelle des jeweiligen Compounds. Bei Fragen zur Werkstoffauswahl für O-Ringe, Wellendichtringe (Simmerringe) oder Sonderprofile berät Sie das Team der Steinbach GmbH gern.

Häufige Fragen

Welcher Dichtungswerkstoff ist für Öl geeignet?

Für Mineralöle, Fette und Hydrauliköle ist NBR (Nitril) der wirtschaftliche Standard bis ca. +100 °C. Bei höheren Temperaturen oder synthetischen Ölen ist FKM (Viton®) die bessere Wahl. EPDM ist für Öl ungeeignet und quillt bei Ölkontakt auf.

Was ist der Unterschied zwischen NBR und FKM?

NBR (Nitril) ist der günstige Standard für Mineralöl, Fett und Wasser bis ca. +100 °C. FKM (Viton®) hält höhere Temperaturen bis ca. +200 °C aus und ist beständig gegen Kraftstoffe, synthetische Öle und viele Chemikalien – dafür ist es teurer.

Wofür wird eine EPDM-Dichtung verwendet?

EPDM ist beständig gegen heißes Wasser, Dampf, Bremsflüssigkeit sowie Ozon und Witterung (ca. −45 bis +130 °C). Es eignet sich für Sanitär-, Heizungs- und Außenanwendungen. Mineralöle, Fette und Kraftstoffe verträgt EPDM jedoch nicht.

Ist Viton® dasselbe wie FKM?

Viton® ist ein eingetragener Markenname der Chemours für Fluorkautschuk (FKM). Technisch beschreiben beide Begriffe dieselbe Werkstoffklasse; „Viton®-O-Ring" und „FKM-O-Ring" meinen also in der Regel das Gleiche.

Welcher Dichtungswerkstoff hält die höchsten Temperaturen aus?

Unter den gängigen Werkstoffen deckt PTFE mit ca. −200 bis +260 °C den weitesten Bereich ab, gefolgt von FKM (bis ca. +200 °C). Für noch extremere Kombinationen aus Hitze und aggressiven Medien kommen Perfluorelastomere (FFKM) infrage. Alle Werte sind Richtwerte.

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