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O-Ring messen und Größe bestimmen: Schnurstärke, Innendurchmesser, Zoll vs. metrisch

O-Ring (Rundschnurring) – Dichtung, deren Schnurstärke und Innendurchmesser sich mit dem Messschieber bestimmen lassen

Ein O-Ring lässt sich nur dann sicher nachbestellen, wenn seine beiden Maße stimmen: Innendurchmesser und Schnurstärke. Klingt einfach, ist in der Praxis aber eine häufige Fehlerquelle – der Ring dehnt sich beim Messen, ist verpresst oder stammt aus einem zölligen Normsystem, das nicht in eine metrische Tabelle passt. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie einen O-Ring messen und seine Größe zuverlässig bestimmen, welche Hilfsmittel sich lohnen und wie Sie metrische und zöllige Maße auseinander halten. Es geht hier ausschließlich um das Ermitteln des Ist-Maßes am vorhandenen Bauteil – welche Werkstoffe (NBR, FKM, FFKM) und Bauformen es gibt, lesen Sie ergänzend im Bereich Dichtungstechnik.

Die zwei Maße, auf die es ankommt

Jeder O-Ring ist über genau zwei Angaben eindeutig definiert. In der Norm tragen sie feste Kurzzeichen, die Ihnen in jeder O-Ring-Tabelle wieder begegnen:

  • Innendurchmesser d1 – der lichte Durchmesser des Rings im entspannten, ungedehnten Zustand. Er bestimmt, ob der Ring auf die Welle oder in die Nut passt.
  • Schnurstärke d2 – der Durchmesser der Rundschnur (der „Dicke" des Rings). Sie muss zur Nuttiefe und zum Spalt passen und entscheidet über die Verpressung.

Die gängige Schreibweise lautet d1 × d2, also z. B. „20 × 2,5" für einen Ring mit 20 mm Innendurchmesser und 2,5 mm Schnurstärke. Der Außendurchmesser ergibt sich rechnerisch (d1 + 2 × d2) und wird zur Bestellung nicht benötigt. Wer beide Werte sauber ermittelt, hat die O-Ring-Größe bestimmt.

Schnurstärke messen: der einfachste Schritt zuerst

Beginnen Sie mit der Schnurstärke – sie ist am leichtesten exakt zu erfassen und grenzt die möglichen Normgrößen bereits stark ein. Messen Sie den Querschnitt mit einem Messschieber (Messschraube/Mikrometer noch genauer) an einer geraden, unbelasteten Stelle des Rings. Wichtig: nur leicht anlegen, nicht zusammendrücken – ein Elastomer gibt unter Druck nach und liefert sonst ein zu kleines Maß. Messen Sie an zwei bis drei Stellen und nehmen Sie den größten plausiblen Wert, da gebrauchte Ringe an der Dichtstelle geringfügig abgeplattet sein können.

Typische genormte Schnurstärken bewegen sich in festen Stufen (metrisch u. a. 1,0 · 1,5 · 1,78 · 2,0 · 2,5 · 3,0 · 3,53 · 5,0 · 5,33 · 6,0 · 7,0 mm). Fällt Ihr Messwert nahe an eine dieser Stufen, ist das ein starkes Indiz für die Norm: „krumme" Werte wie 1,78 oder 3,53 mm deuten fast immer auf ein zölliges System hin (dazu unten mehr).

Innendurchmesser messen: drei bewährte Methoden

Der Innendurchmesser ist heikler, weil der Ring elastisch ist und sich beim Anlegen des Messwerkzeugs leicht verzieht. Drei Vorgehensweisen haben sich bewährt:

  • Kegel-Messdorn (Konus-Lehre): die genaueste und schnellste Methode. Der O-Ring wird spannungsfrei über einen konischen Messdorn mit aufgedruckter Skala gelegt; dort, wo er ohne Dehnung aufliegt, lässt sich d1 direkt ablesen. Für regelmäßige Messungen die erste Wahl.
  • Messschieber (innen): Ring flach auf eine ebene Unterlage legen und den Innendurchmesser mit den Innenmessschenkeln abgreifen – ohne den Ring zu weiten. An zwei um 90° versetzten Achsen messen und mitteln, um eine ovale Auflage auszugleichen.
  • Anlegen und Umrechnen: ohne Spezialwerkzeug den Ring flach hinlegen, den Außendurchmesser messen und daraus d1 = Außendurchmesser − 2 × d2 rechnen. Alternativ den Ring flach auslegen, die Innenlänge (Strecke) messen und über d1 = (2 × Innenlänge) ÷ π auf den Innendurchmesser zurückrechnen. Diese Methode ist eine gute Kontrolle, aber fehleranfälliger als der Messdorn.

Grundregel bei allen Methoden: nie am verbauten oder gedehnten Ring messen. Ein O-Ring, der auf einer Welle sitzt, ist bereits geweitet und zeigt einen zu großen d1. Nehmen Sie den Ring ab, lassen Sie ihn kurz zurückfedern und messen Sie ihn im lastfreien Zustand.

Metrisch oder Zoll? DIN ISO 3601 vs. AS568

O-Ringe werden nach zwei großen Normwelten gefertigt. Wer die Werte einer Messung falsch einsortiert, findet in der Tabelle keine Übereinstimmung. Die folgende Übersicht ordnet die beiden Systeme ein:

Merkmal Metrisch (DIN ISO 3601) Zoll (AS568)
Maßangabe d1 × d2 in Millimeter Dash-Nummer (z. B. -012), ursprünglich in Zoll
Typische Schnurstärken 1,0 · 1,5 · 2,0 · 2,5 · 3,0 · 5,0 mm (glatte Werte) 1,78 · 2,62 · 3,53 · 5,33 · 6,99 mm („krumme" Werte)
Herkunft / Einsatz Europäischer Maschinenbau, Hydraulik/Pneumatik US-/Aerospace-Raum, importierte Aggregate, Armaturen
Erkennungshilfe Messwert liegt nahe an einer glatten mm-Stufe Messwert entspricht einem gerundeten Zoll-Bruch

Praktische Faustregel: Ergibt Ihre Messung eine Schnurstärke wie 1,78; 2,62 oder 3,53 mm, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen zölligen O-Ring nach AS568 – diese Werte entstehen aus der Umrechnung von 1/16″, 3/32″ bzw. 1/8″ ins metrische System. Liegt der Wert dagegen glatt bei 2,0 oder 3,0 mm, ist der Ring metrisch. Für die Zoll-zu-metrisch-Umrechnung gilt: 1 Zoll = 25,4 mm. So lässt sich jede Dash-Nummer in ein Millimetermaß überführen und umgekehrt einordnen.

Von der Messung zur O-Ring-Tabelle

Mit d1 und d2 in der Hand gleichen Sie die Werte mit einer O-Ring-Tabelle ab. Normreihen listen die zulässigen Kombinationen aus Innendurchmesser und Schnurstärke samt Toleranzen (nach DIN ISO 3601 bzw. AS568). Gehen Sie so vor:

  • Zuerst über die gemessene Schnurstärke d2 die passende Normreihe wählen – das reduziert die Tabelle auf eine Spalte.
  • Innerhalb dieser Reihe den nächstgelegenen genormten Innendurchmesser d1 suchen. Kleine Abweichungen (Zehntelmillimeter) durch Messtoleranz und Verschleiß sind normal – runden Sie auf die nächste Normgröße.
  • Im Zweifel die ermittelte Größe mit dem Einbauraum plausibilisieren: Der Innendurchmesser sollte etwa dem Nutgrund-Durchmesser entsprechen, damit der Ring weder zu stramm noch zu lose sitzt.

Grenzt die Messung zwei benachbarte Normgrößen nicht sicher ab, hilft eine zweite Messung mit einem anderen Verfahren – etwa Messschieber und Kegel-Messdorn im Vergleich. Stimmen beide überein, ist die Zuordnung belastbar.

Häufige Messfehler vermeiden

Die meisten Fehlbestellungen entstehen nicht am Werkzeug, sondern an der Handhabung:

  • Ring gedehnt gemessen: Über einer Welle oder gestreckt aufgelegt fällt d1 zu groß aus. Immer entspannt messen.
  • Schnur zusammengedrückt: Zu fester Messschieber-Druck verfälscht d2 nach unten. Nur anlegen, nicht klemmen.
  • Verschleiß ignoriert: Alte Ringe sind abgeplattet, verhärtet oder geschrumpft. Als Referenz taugt idealerweise ein unbenutztes Vergleichsstück.
  • System verwechselt: Ein zölliger Ring in einer rein metrischen Tabelle führt zu keiner Übereinstimmung – erst das Normsystem klären.

Fazit: sauber messen, sicher zuordnen

Einen O-Ring richtig zu messen bedeutet, im lastfreien Zustand die Schnurstärke d2 und den Innendurchmesser d1 zu erfassen, das Normsystem (metrisch nach DIN ISO 3601 oder zöllig nach AS568) zu erkennen und die Werte mit einer O-Ring-Tabelle abzugleichen. Ein Messschieber genügt für den Einstieg; wer häufig misst, arbeitet mit einem Kegel-Messdorn deutlich schneller und genauer. Wenn Sie bei der Zuordnung einer Größe, der Auswahl der passenden Normreihe oder der richtigen Ausführung unsicher sind, unterstützt Sie das Team der Steinbach GmbH gern mit seiner Erfahrung rund um Dichtungstechnik und einem breiten Sortiment an O-Ringen.

Häufige Fragen

Wie misst man einen O-Ring richtig?

Zwei Maße im entspannten, ungedehnten Zustand ermitteln: die Schnurstärke d2 (Querschnitt) mit dem Messschieber an einer geraden Stelle nur leicht anlegen und den Innendurchmesser d1 über einen Kegel-Messdorn oder flach liegend mit dem Messschieber abgreifen. Nie am verbauten oder gedehnten Ring messen, da d1 sonst zu groß ausfällt.

Was bedeuten d1 und d2 beim O-Ring?

d1 ist der Innendurchmesser des Rings im ungedehnten Zustand, d2 die Schnurstärke, also der Durchmesser der Rundschnur. Die Größe wird als d1 × d2 angegeben, zum Beispiel 20 × 2,5 mm. Der Außendurchmesser ergibt sich rechnerisch aus d1 + 2 × d2 und wird zur Bestellung nicht gebraucht.

Woran erkenne ich, ob ein O-Ring metrisch oder zöllig ist?

An der Schnurstärke: Glatte Werte wie 2,0 oder 3,0 mm deuten auf ein metrisches System nach DIN ISO 3601 hin. Krumme Werte wie 1,78; 2,62 oder 3,53 mm entstehen aus der Umrechnung zölliger Maße (AS568) und weisen auf einen Zoll-O-Ring hin. Für die Umrechnung gilt 1 Zoll = 25,4 mm.

Welches Werkzeug brauche ich, um einen O-Ring zu messen?

Für den Einstieg reicht ein Messschieber, für den Querschnitt ist ein Mikrometer noch genauer. Wer regelmäßig misst, greift zum Kegel-Messdorn (Konus-Lehre): Der O-Ring wird spannungsfrei aufgelegt und der Innendurchmesser direkt an einer Skala abgelesen. Das ist die schnellste und genaueste Methode.

Was ist der Unterschied zwischen DIN ISO 3601 und AS568?

DIN ISO 3601 ist die internationale Norm für metrische O-Ringe; die Größe wird als d1 × d2 in Millimeter angegeben. AS568 ist ein US-/Aerospace-Standard mit zölliger Herkunft, der die Größen über Dash-Nummern (z. B. -012) beschreibt. Beide Systeme lassen sich über 1 Zoll = 25,4 mm ineinander überführen.

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