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Kugellager-Bezeichnung entschlüsseln: Lagerreihe, Bohrungskennzahl und Zusätze erklärt

Verschiedene Wälzlager und Kugellager aus Stahl – Lagerbezeichnung aus Lagerreihe, Bohrungskennzahl und Zusätzen

Auf jedem Kugellager steht eine Kombination aus Ziffern und Buchstaben – etwa 6205-2RS-C3. Wer diesen Code lesen kann, erkennt Bauform, Abmessungen, Abdichtung und Lagerluft, ohne das Lager auszumessen. Das erleichtert die Ersatzteilsuche und verhindert Fehlbestellungen. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie eine Kugellager-Bezeichnung entschlüsseln: von der Lagerreihe über die Bohrungskennzahl bis zu den Zusätzen. Um welche Bauformen es dabei geht und wie Sie das passende Lager auswählen, lesen Sie ergänzend auf unserer Übersicht zu Wälzlagern.

Der Aufbau: Basisbezeichnung, Vor- und Nachsetzzeichen

Die Bezeichnung metrischer Wälzlager ist in DIN 623-1 bzw. ISO 15 systematisch geregelt. Sie besteht aus drei Teilen, die sich in dieser Reihenfolge lesen lassen:

  • Vorsetzzeichen (optional): kennzeichnen z. B. abweichende Werkstoffe oder Bauteile eines Lagers. Bei Standard-Kugellagern fehlen sie meist.
  • Basisbezeichnung: der Kern des Codes. Sie beschreibt Lagerart, Maßreihe und Bohrung – bei Rillenkugellagern in der Regel eine drei- bis vierstellige Zahl.
  • Nachsetzzeichen (optional): Buchstaben- und Zifferngruppen für Abdichtung, Lagerluft, Käfig, Toleranzen oder Schmierung.

Am Beispiel 6205-2RS-C3: 6205 ist die Basisbezeichnung, 2RS und C3 sind Nachsetzzeichen. Wir gehen die Bestandteile nun einzeln durch.

Die erste Ziffer: Lagerart und Reihe

Die erste Ziffer der Basisbezeichnung nennt Lagerart und Baureihe. Bei einem Rillenkugellager steht die 6 voran – die häufig gesuchte Reihe 62xx und 63xx sind also einreihige Rillenkugellager unterschiedlicher Maßreihe. Zur groben Orientierung die wichtigsten Kennziffern:

Kennziffer Lagerart Beispielreihe
6 Rillenkugellager, einreihig 6205, 6304
2 Pendelkugellager / Pendelrollenlager 2205, 22308
3 Schrägkugellager, zweireihig / Kegelrollenlager 3205, 32210
7 Schrägkugellager, einreihig 7205
N / NU / NJ Zylinderrollenlager NU205

Wichtig als Richtwert: Die Zuordnung gilt für den metrischen Standard nach ISO. Hersteller wie SKF, FAG/Schaeffler, INA oder NTN können bei Sonderbauformen ergänzende Buchstaben voranstellen – die Grundlogik der ersten Ziffer bleibt aber vergleichbar.

Die zweite Ziffer: die Maßreihe

Die zweite Ziffer beschreibt die Maßreihe – vereinfacht die Kombination aus Breiten- und Durchmesserreihe. Sie sagt aus, wie „kräftig" ein Lager bei gleichem Bohrungsdurchmesser gebaut ist: Ein 6205 und ein 6305 haben beide 25 mm Bohrung, das 6305 ist aber größer im Außendurchmesser und in der Breite und damit höher belastbar. Für die reine Code-Entschlüsselung genügt es zu wissen: Je höher diese Ziffer (2 → 3 → 4), desto robuster fällt das Lager bei identischer Bohrung in der Regel aus.

Die Bohrungskennzahl: der wichtigste Schritt

Die letzten beiden Ziffern der Basisbezeichnung sind die Bohrungskennzahl – sie verschlüsseln den Innendurchmesser (Bohrung d) des Lagers. Hier steckt die entscheidende Umrechnungsregel, die viele überrascht:

  • Bei Kennzahlen ab 04 gilt: Innendurchmesser in mm = Kennzahl × 5. Beispiel: 6205 → 05 × 5 = 25 mm Bohrung.
  • Die Kennzahlen 00 bis 03 sind Sonderfälle und müssen einzeln gelesen werden (siehe Tabelle).

Die folgende Kugellager-Bezeichnung-Tabelle fasst die gängigen Bohrungskennzahlen zusammen:

Bohrungskennzahl Innendurchmesser d Beispiel-Lager
00 10 mm 6200
01 12 mm 6201
02 15 mm 6202
03 17 mm 6203
04 20 mm (04 × 5) 6204
05 25 mm (05 × 5) 6205
08 40 mm (08 × 5) 6208
10 50 mm (10 × 5) 6210

Merken lässt sich das an vier Ausnahmen: 00 = 10 mm, 01 = 12 mm, 02 = 15 mm, 03 = 17 mm. Ab 04 gilt durchgängig „mal fünf". Damit ist der Innendurchmesser jedes Standard-Rillenkugellagers in Sekunden bestimmbar.

Nachsetzzeichen: Abdichtung, Lagerluft und mehr

Nach der Basisbezeichnung folgen die Nachsetzzeichen. Sie beschreiben die konkrete Ausführung – am häufigsten Abdichtung und Lagerluft. Die geläufigsten Zusätze:

Zusatz Bedeutung
2RS / 2RSR beidseitig berührende Dichtscheiben aus Elastomer (staub- und spritzwasserdicht, wartungsarm)
RS / RSR einseitige Dichtscheibe
2Z / ZZ / 2ZR beidseitig berührungsfreie Deckscheiben aus Blech (geringere Reibung, für höhere Drehzahlen)
C3 Radialluft größer als Normalluft (für höhere Temperaturen oder Presssitze)
C2 / C4 / C5 C2 = kleiner als Normalluft, C4/C5 = zunehmend größer als C3
P6 / P5 engere Maß- und Laufgenauigkeit als Normaltoleranz

Zwei Hinweise für die Praxis: Fehlt ein Luft-Zusatz, liegt „Normalluft" (CN) vor – das muss nicht mitgeschrieben werden. Und: Die Buchstabenkürzel sind zwar weitgehend vereinheitlicht, einzelne Hersteller weichen aber ab (SKF, FAG/Schaeffler, INA, NTN). Im Zweifel entscheidet der Herstellerkatalog; die Lagerluft-Klassen wie C3 folgen dagegen einer gemeinsamen Norm. Wie sich die Lagerluft konkret auf den Einbau auswirkt, vertiefen wir in einem eigenen Ratgeber zum Thema Lagerluft.

Beispiel komplett gelesen: 6205-2RS-C3

Setzen wir alles zusammen und schlüsseln 6205-2RS-C3 auf:

  • 6 – einreihiges Rillenkugellager
  • 2 – Maßreihe (Durchmesser-/Breitenreihe)
  • 05 – Bohrungskennzahl: 05 × 5 = 25 mm Innendurchmesser
  • 2RS – beidseitig mit berührenden Dichtscheiben
  • C3 – Radialluft größer als Normalluft

Aus fünf Zeichen ist damit ein vollständiges Bild geworden: ein abgedichtetes 25-mm-Rillenkugellager mit erhöhter Lagerluft. Nach demselben Muster lässt sich jede gängige Rillenkugellager-Bezeichnung lesen.

Grenzen der Systematik

Die vorgestellte Logik deckt Standard-Rillenkugellager sehr zuverlässig ab. Bei Sonderlagern, zölligen Bauformen (Zoll statt Millimeter) oder herstellerspezifischen Reihen kann die Bohrungskennzahl-Regel abweichen. Auch Vorsetzzeichen und exotische Nachsetzzeichen sind ohne Herstellerkatalog nicht immer eindeutig. Für den Alltag gilt aber: Erste Ziffer = Art, zweite = Maßreihe, letzte beiden = Bohrung (ab 04 mal fünf), danach die Zusätze – damit ist der größte Teil aller Bezeichnungen entschlüsselt.

Sie sind sich bei einem Code unsicher oder suchen das passende Ersatzlager zu einer vorhandenen Bezeichnung? Als Fachhändler für Wälzlager und Antriebstechnik ordnen wir Ihre Bezeichnung ein und nennen die passende Ausführung aus unserem Kugellager-Sortiment – herstellerübergreifend und ohne Bindung an eine einzelne Marke.

Häufige Fragen

Was bedeuten die Zahlen auf einem Kugellager?

Bei einem Rillenkugellager nennt die erste Ziffer die Lagerart (6 = einreihiges Rillenkugellager), die zweite die Maßreihe und die letzten beiden Ziffern sind die Bohrungskennzahl für den Innendurchmesser. Ab Kennzahl 04 gilt: Innendurchmesser in mm = Kennzahl × 5. Beispiel: 6205 hat 05 × 5 = 25 mm Bohrung.

Wie rechne ich die Bohrungskennzahl in den Innendurchmesser um?

Für Kennzahlen ab 04 multiplizieren Sie die zweistellige Kennzahl mit 5 (z. B. 6208 → 08 × 5 = 40 mm). Die Kennzahlen 00 bis 03 sind Sonderfälle: 00 = 10 mm, 01 = 12 mm, 02 = 15 mm, 03 = 17 mm. Diese vier Ausnahmen lernt man am besten auswendig.

Was bedeutet 6205-2RS-C3?

6205-2RS-C3 ist ein einreihiges Rillenkugellager mit 25 mm Innendurchmesser (05 × 5), beidseitig mit berührenden Dichtscheiben (2RS) und einer Radialluft größer als Normalluft (C3). Die erhöhte Lagerluft C3 wird häufig bei höheren Betriebstemperaturen oder Presssitzen verwendet.

Was ist der Unterschied zwischen 2RS und ZZ?

2RS steht für beidseitig berührende Dichtscheiben aus Elastomer – sie dichten gut gegen Staub und Spritzwasser ab, erzeugen aber etwas mehr Reibung. ZZ (bzw. 2Z) bezeichnet beidseitige berührungsfreie Deckscheiben aus Blech: geringere Reibung und für höhere Drehzahlen geeignet, dafür weniger dicht. Die Wahl hängt vom Umgebungsschutz und der Drehzahl ab.

Bedeuten die Kürzel bei allen Herstellern dasselbe?

Die Grundlogik der Basisbezeichnung (Art, Maßreihe, Bohrungskennzahl) folgt der Norm DIN 623-1 bzw. ISO 15 und ist herstellerübergreifend vergleichbar. Bei den Nachsetzzeichen weichen Hersteller wie SKF, FAG/Schaeffler, INA oder NTN teilweise voneinander ab. Die Lagerluft-Klassen (C2, CN, C3, C4) sind dagegen genormt. Im Zweifel gibt der Herstellerkatalog die eindeutige Bedeutung an.

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